Saftfarben in einer Blase trocknen

In den Handschriften wird unter anderem empfohlen Farben, vor allem Saftfarben die bei der Herstellung einen hohen Wasseranteil haben, in einer Blase zu trocknen.
Ich habe nach dem Göttinger Musterbuch zubereitetes Lichtrot (Rosa) in einer Schweineblase getrocknet und bin ziemlich begeistert darüber wie gut das funktioniert.
Schon nach kurzer Zeit bildet sich auf der Außenseite der Blase ein klarer Wasserfilm, der kurz darauf abzutropfen beginnt.
Dabei sammelt sich auf der Außenseite nur klare Flüssigkeit, das gesamte Pigment verbleibt im inneren der Blase.
Ich bin vor allem überrascht wie schnell das vor sich geht. Bereits nach wenigen Tagen ist die gesamte Flüssigkeit aus der Blase verschwunden. Nach einer guten Woche konnte ich die Blase öffnen und die getrocknete Farbe entnehmen.

Gent – Buchilluminationen im STAM

Wir waren gerade für ein paar Tage in Gent. Zu unserem großen Glück war im MSK zu der Zeit die große Jan van Eyck Ausstellung – Van Eyck. Eine optische Revolution -.

Die wir uns natürlich nicht entgehen lassen konnten.

Zu meiner großen Freude wurden im MSK aber nicht nur Gemälde von Van Eyck gezeigt, sondern auch einige Buchilluminationen. Sowohl von Ihm, als auch von anderen Illuminatoren.

Einige der dort ausgestellten Buchseiten kannte ich bereits von Recherchen im Internet, und doch hatte ich das Gefühl etwas völlig Neues wahrzunehmen.

Denn es ist ganz etwas anderes die Illuminationen vor sich liegen zu sehen, als sie auf einer Ablichtung zu betrachten.

Zwar kann man das Kunstwerk auch auf einer Ablichtung bewundern und dabei ins Staunen verfallen. Die Farben wirken jedoch beim direkten betrachten anders, als auf der Ablichtung.

Vor allem auch das Aurum musicum. Erst im laufe der Ausstellung ist mir wirklich klar geworden wie bedauerlich es ist, das dies dem heutigen Buchmaler so nicht mehr zur Verfügung steht.

An unserem letzten Tag in Gent sind wir dann noch ins Genter Stadtmuseum, das STAM, gegangen. Eigentlich hatte ich dazu gar keine Lust mehr, bin aber im Nachhinein sehr froh es doch getan zu haben.

Denn das STAM hat ein paar sehr schön illuminierte Buchseiten zu bieten. War ich schon sehr erfreut als ich am Anfang unseres Museumsrundganges auf ein paar Illuminationen stieß, verwandelte sich meine Freude in pures Entzücken, als wir später auf noch mehr Illuminationen stießen. Einfach Atemberaubend. In keinem anderen Museum habe ich bisher so viele und so schöne Illuminationen gesehen. Ein Besuch ist für jeden Freund der Buchmalerei absolut empfehlenswert.

Da im STAM im Gegensatz zu der Van Eyck Ausstellung das Fotografieren erlaubt war, hier noch ein paar Bilder.

Das schreiben mit dem Federkiel

Neben der Zurichtung des Federkiels geht Wolfgang Fugger in seinem Schreibmeisterbüchlein – Ein nutzlich vnd wolgegrundt Formular Manncherley schöner schriefften Als Teutscher Lateinischer Griechischer vnnd Hebrayscher Buchstaben sampt vnterrichtung wie ein yede gebraucht vnd gelernt soll werden– auch auf die Handhabung des Federkiels ein.

Auch hier ist der Text nicht eins zu eins wiedergegeben. Statt dessen habe ich den Text teilweise an den modernen Sprachgebrauch angepasst. Teilweise aber heutzutage unübliche Ausdrucksweisen wie sie sich im im Original finden übernommen.

Wer gut und flüssig schreiben lernen möchte, muss wissen wie er die Feder greift, sie hält und führt. Ebenso wie er den Arm auflegen und die Finger an die Feder legt.
Denn wahrlich, wer das Gewicht seines Körpers auf den Arm stützt, womit der Arm samt der Hand hart auf dem Tisch oder der Tafel aufliegt, wem die Feder zwischen den Fingern zwickt, und wer mit dem Angesicht sehr nahe am Papier liegt, wird keinen geschickten und guten Schreiber abgeben.
Da er in dieser Haltung nur zwei oder drei Buchstaben schreiben kann, muss er um weiter schreiben zu können, zunächst seinen Arm und die Hand anders positionieren.
Zusätzlich nimmt er sich mit dem Arm das Licht.
Solch ungeschickte und unschreiberische Griffweise der Feder und Armhaltung siehst du auf dem Beispiel auf Abbildung 1. Wobei die Linie A – B den Tisch, bzw. die Tafel markieren.

Auf Abbildung 1 sieht man ein ungeschicktes Greifen der Feder, sowie deren ungeschickte Führung, gepaart mit einem bösen Auflegen des Armes. Was zu einem langsamen Schreiber führt.

Abbildung 1

Damit aber ein jeder sehe und verstehe wie eine Feder ordentlich und wohl gefasst wird, und wie der Arm und die Hand aufgelegt werden sollen, findest du unten Abbildung 2. Wobei die Linie A – B wieder den Tisch oder die Tafel bezeichnet.

Auf ihr soll der Arm dergestalt abgelegt werden das er nur der Ellbogen auf der Unterlage aufliegt und die Hand mit dem kleinen Finger abgestützt wird.
So das nur der Ellbogen und der kleine Finger aufliegen. Der sich dazwischen befindende Rest des Armes jedoch nicht aufliegt sondern frei schwebt, so das man von der Seite aus unter ihm hindurch sehen kann.
Des weiteren ist auf Abbildung 2 ersichtlich das die Finger nicht um die Feder gekrallt werden sollen. Sondern gestreckt um den Kiel liegen sollen. Vorteilhaft ist es auch wenn der den Kiel greifende Arm am Unterarm bloß oder nackt ist, so das beim Auflegen des Armes keine Kleidung stört.

Auf Abbildung 2 sieht man eine gute Fassung und Führung der Feder samt einer guten Ausstreckung und rechter Zusammenhaltung der Finger.

Abbildung 2

 

 

 

 

 

 

 

Das greifen des Federkiels
Greife den Federkiel so das dein Daumen auf der linken Seitenlinie und dein Zeigefinger auf der rechten Seitenlinie liegt. Mit diesen beiden Fingern muss der Federkiel gehalten werden.
Der Mittelfinger soll unter der Bauchlinie liegen, so das der Federkiel auf ihm ruht.
Die Rückenlinie des Federkiels soll frei bleiben und von keinem Finger berührt werden.

Die Führung des Federkiels
Die Feder soll weder zu fest gefasst, noch auf das Papier gedrückt werden. Denn das ermüdet die Finger und macht ein langsames Schreiben.
Auch sollst du die Hand der Absenkung nach legen, damit die Feder sowohl mit ihrer Schneide als auch den beiden Spitzen gleichzeitig Kontakt zum Papier hat.
Sonst werden die Buchstaben unsauber und unvollkommen.
Achte darauf das du den Federkiel nicht zwischen den Fingern hin und her wechselst oder verdrehst. Statt dessen halte sie die ganze Zeit so ausgerichtet wie du sie anfangs ergriffen hast. Denn die Feder bringt es selbst mit sich wo der Buchstabe dick oder dünn sein soll.

Einen Federkiel zurichten

Einen Federkiel gut zuzurichten ist nicht so einfach wie man denkt und erfordert einiges an Übung.
In den mittelalterlichen Rezeptbüchern finden sich gelegentlich Anweisungen wie man einen Federkiel zurichten soll.
Die ausführlichste mir bekannte Anweisung dazu, findet sich in einem 1553 in Nürnberg verfasstem Schreiberbüchlein. Dem – Ein nutzlich vnd wolgegrundt Formular Manncherley schöner schriefften Als Teutscher Lateinischer Griechischer vnnd Hebrayscher Buchstaben sampt vnterrichtung wie ein yede gebraucht vnd gelernt soll werden– von Wolfgang Fugger.

Die folgende Erklärung von Wolfgang Fugger ist nicht wörtlich übernommen und an der einen oder anderen Stelle ergänzt.

Die Auswahl des Kiels
Zum ersten ist es wichtig das man eine gute und wohl zugerichtete Feder hat. Wie eine solche zugerichtet wird, will ich im folgenden erklären.
Zunächst sollst du dir einen guten und reinen Kiel aussuchen, der keine Flecken hat, sondern fein, klar und durchsichtig sein soll.
Anschließend schabe die Oberfläche des Kiels mit einer Klinge ab, damit er schön glatt wird.

Die Unterteilung des Kiels
Um die Zurichtung des Federkiels besser verständlich zu machen, will ich den Kiel unterteilen.

Die senkrechten Linien
Wie auf Abbildung 1 zu sehen, wird der vordere und hohle Teil des Federkiels in vier gleichgroße Teile unterteilt. Und diese wiederum in drei gleich große Teile. Dadurch ergeben sich wie auf Abbildung 1 zu sehen ist 12 Hilfslinien.

Abbildung 1

Die horizontalen Linien
Die Linie A – B bezeichnet die Bauchlinie, die Linie C – D bezeichnet die Rückenlinie und die Linien E – F sowie G – H die Seitenlinien.
Anmerkung: Die Linien A bis H darf man nicht als auf einer Ansichtsseite liegende Linien verstehen. Statt dessen muss man sich den Federkiel dreidimensional und in der Hand liegend vorstellen. Wobei er so gegriffen wird, wie seine Form es vorgibt. Dann liegt die Bauchlinie an der dem Papier nahen Unterseite des Kiels, die Oberlinie senkrecht darüber auf der Oberseite des Kiels und die Seitenlinien links und rechts vom Kiel.

Das Zurichten
Als erstes schneide das erste Viertel des Kiels ab. Denn es ist zu weich und taugt nicht als Federkielspitze.
Gehe dabei so vor das du den Kiel mit dem Messer diagonal von der Bauchlinie zur Rückenlinie durchtrennst. Dabei beginnt der Schnitt an der Bauchlinie auf Höhe von Hilfslinie 5 und endet an der Rückenlinie auf Höhe von Hilfslinie 3.
Als nächstes wird ein Speltlein in den Kiel geschnitten. Lege dazu den Kiel so auf eine Unterlage, das der Federkiel mit dem Rücken auf der Unterlage liegt und die Kielspitze zu dir zeigt.
Stecke das Kielmesser in den Kiel und setze die Schneide von innen auf die Rückenlinie des Federkiels.
Pass aber auf das Du das Messer nicht zu tief in den Kiel einführst, damit das Speltlein nicht zu lang wird (sonst taugt der Federkiel nicht zum Schreiben). Sitzt das Messer fest auf der Rückenlinie, halte es fest darauf und hebe vorsichtig das Rohr des Kiels an. So sprengt sich das Speltlein fein auf.
Die Länge des Speltleins ist auf Abbildung 2 mit der Linie A – B beschrieben.

Anschließend soll ein weiterer bogenförmig aushöhlender Schnitt gemacht werden. Dieser wird an der Bauchlinie angesetzt und führt, wie auf Abbildung 2 angezeigt, von C bis zur Spitze. Wobei er sauber in der gleichen Flucht verlaufen soll wie der erste Schnitt, der das erste Viertel des Kiels abgetrennt hat.

Als nächstes folgt die linke Ausschweifung, die auf Abbildung 2 mit der Linie D – E bezeichnet ist. Gefolgt von der rechten Ausschweifung, die mit der Linie F – G bezeichnet ist.
Nach diesem Arbeitsschritt muss sich das vorher geschnittene Speltlein, möglichst genau in der Mitte der beiden Ausschweifungen befinden.
Nun wird die Federkielspitze geschärft. Halte dazu den Kiel mit dem Kielrücken nach oben, so das die Spitze von dir weg zeigt. Setze das Messer auf der Rückenlinie an der auf Abbildung 2 angezeigten Linie H an, und hoble in Richtung Spitze fahrend einen dünnen Span weg. So das die Federkielspitze mit einer Schneide versehen wird.

Als letztes wird die Federspitze an der mit I – K bezeichneten Linie beschnitten. Für diesen Schnitt gibt es drei Möglichkeiten. Einen geraden Schnitt, sowie einen nach links oder nach rechts abgesenkten Schnitt.
Bei einem geraden Schnitt: Je spitzer die Federspitze, umso feiner ist das Schriftbild.

Als letztes wird die Federspitze an der mit I – K bezeichneten Linie beschnitten. Für diesen Schnitt gibt es drei Möglichkeiten. Einen geraden Schnitt, sowie einen nach links oder nach rechts abgesenkten Schnitt.
Bei einem geraden Schnitt: Je spitzer die Federspitze, umso feiner ist das Schriftbild.

Abgesenkte Federkielspitzen
Die Federspitze kann auf verschiedene Weise zugerichtet werden. Denn verschiedene Schriftarten können eine unterschiedlichen Zurichtung der Federspitze, wie auch unterschiedliche Griffweisen der Feder erforderlich machen.
Deshalb gibt es dreyerley Arten wie die Federkielspitze entlang der Linie I – K beschnitten werden kann: Eine mit einem geraden Schnitt und zweyerley mit einem abgesenkten Schnitt.
Damit du verstehst wozu dies dienlich ist, will ich dir bei jeder Schrift anzeigen welche Zurichtung die Feder benötigt und wie du den Federkiel greifen sollst.
Um das zu verstehen sollst du die Linien im Gedächtnis haben, mit denen ich die Feder unterteilt habe.

Im allgemeinen kann aber gesagt werden das Schriften die gelegt und gewunden sind eine Federspitze erfordern die nach links gesenkt ist.
Für geschobene und gewölbte Schriften dagegen, benötigt man eine Federspitze die zur rechten Hand abgesenkt ist.

Die mit A bezeichnete Linie markiert die linke-, und die mit B bezeichnete Linie die rechte Seitenlinie. C markiert die Rückenlinie und D die Bauchlinie.

rechts abgesenkt

Gegen die rechte Hand hin abgesenkt

 

 

 

 

 

 

 

Gegen die linke Hand hin abgesenkt

 

 

 

 

 

 

Die Materialeigenschaften der ersten vier Unterteilungen
Nochmal zurück zur Vierteilung des hohlen Federkielteils: Der erste Teil taugt wie gesagt nicht zum schreiben. Der zweite Teil ist gut und taugt als Federkielspitze. Der dritte Teil gibt ein unreines Speltlein was dazu führt das die Tinte ungleich aus der Feder fließt. Der vierte Teil ist zu nichts nutze.
Was bedeutet das der Federkiel nur so lange als Schreibgerät taugt, wie sich aus dem zweiten Viertel eine Spitze nach schneiden lässt. Ist der Kiel soweit herunter geschrieben das man mit dem nach schneiden ins dritte Viertel kommt, muss er ersetzt werden.

Was in der Anweisung nicht erwähnt wird ist das von der Kielfeder alles entfernt wird was nicht benötigt wird. Die Kielfeder wird großzügig ein gekürzt und die Befiederung wird entfernt in dem sie entgegen des Strichs vom Kiel abgezogen wird.

Den Pinsel mit den Lippen zuspitzen und das Grab der Buchmalerin

Anscheinend war es unter mittelalterlichen Buchmalern und auch noch darüber hinaus, mitunter üblich die Pinsel während des Malens mit den Lippen zu zuspitzen und überflüssige Farbe wegzunehmen.
Im Traite de Mignature von 1672 findet sich die Anweisung das man beim Malen die Pinsel mit den Lippen zuspitzen solle.

… Damit die Haare am Pinsel gut zusammen gehen und eine richtige Spitze bilden, muss man sie man sie oft während des Malens zwischen die Lippen nehmen, zuspitzen und mit der Zunge anfeuchten, sogar dann wenn Farbe am Pinsel ist.
Dabei wird ein zu viel an Farbe weggenommen und es lassen sich dann die Linien glatt und gleichmäßig malen.
Man braucht nicht zu befürchten das das jemandem schadet *, denn die Miniaturfarben haben weder schlechte Eigenschaften, noch einen unangenehmen Geschmack.
Diese Erfindung braucht man besonders beim Punktieren und ausarbeiten, speziell auch für Inkarnate. Die Striche sollen nämlich fein und nicht zu dickflüssig sein.
Will man ein Gewand oder andere Dinge malen so reicht es, wenn man beim Anlegen und Ausmalen den Pinsel, wenn zufiel Farbe daran ist, am Rand der Muschel, oder auf dem Papier abstreift.

Zwar ist diese Anweisung im 17. Jahrhundert niedergeschrieben worden, aber eine Grabung in der Nähe von Paderborn lässt vermuten, das dies bereits fünf- bis siebenhundert Jahre früher so praktiziert wurde.
Bei einer Grabung auf dem Gelände eines Frauenklosters, das in der Nähe von Paderborn liegt, wurden auf dem Friedhof des Klosters die sterblichen Überreste einer Frau gefunden.
Bei der Frau handelte es sich vermutlich um eine Nonne, die um das Jahr 1000 bis 1200 nach Christus im alter von 45 bis 60 Jahren dort bestattet wurde.
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei ihr um eine Buchmalerin.
Denn in ihrem Zahnstein finden sich etwa in der Mitte des Mundes deutliche Spuren von Ultramarin.
Die wahrscheinlichste Erklärung dafür ist, das die Frau den Pinsel während des Malens mit den Lippen zugespitzt hat. Wobei der Umstand das die Frau Ultramarin Vermalen durfte, bzw. konnte, vermutlich auch etwas über ihre Können aussagt.

* Einige der in der Buchmalerei verwendete Farben sind sehr wohl giftig. Ich möchte von der Nachahmung dringend abraten.