Bücher über Buchmalerei, Skriptorium und Kalligarfie

Hier stellen wir Bücher vor, die sich mit den Themen Buchmalerei, Kalligrafie und Skriptorium im allgemeinen beschäftigen. Die Texte zu den Büchern stammen teilweise aus den Inhaltsangaben der Bücher, und stellen somit ein Zitat dar. Diese sind durch größere Kursivschrift als solche kenntlich gemacht. Die Bewertungen spiegelt lediglich unsere persönliche Sicht wieder und werden nur für Bücher abgegeben, die wir auch gelesen haben. Für evtl. Irrtümer oder Fehler bei den Inhaltsangaben, ISBN Nummern, etc. übernehmen wir keine Haftung.


Illuminierbuch – Wie man allerlei Farben bereiten, mischen und auftragen soll. Valentin Boltz von Ruffach 1549

Valentin Boltz schrieb dieses Buch um den Hobbyilluminatoren eine Anleitung zum malen zu geben. Anscheinend war die Hobby mäßige Buchmalerei unter den Bürgern der Mitte des 16. Jahrhunderts nicht so selten.
In seinem Werk erklärt Boltz wie man eine Reihe von Farben zubereitet, einen Goldgrund anfertigt, wie man Farben aufhellen oder abdunkelt, Temperaturwasser zubereitet, etc.

Die Buchmaler: Ein absolutes Mus für jeden der sich praktisch und ernsthaft mit der Buchmalerei beschäftigen möchte.

Sändig Reprint Verlag
Hans R. Wohlwend
Schaan / Liechtenstein
ISBN 3500303307


Mönche / Maler / Miniaturen

Die prachtvolle Welt der Bildhandschriften des Mittelalters faszinieren. Wie sie entstanden, wer sie benutzte und wie man ihre Bildsprache entschlüsseln kann, zeigt diese Einführung in die Welt der mittelalterlichen Bücher. Im lebhaften Erzählstiel präsentiert die Autorin irische Envangeliare und französische Stundenbücher, phantastische Tierbücher und gelehrte Kräuterbücher. Wir blicken malenden Mönchen und Berufsschreiberinnen über die Schulter, erhalten Einblicke in Kettenbibliotheken und erfahren näheres über Beutelbücher und mittelalterliche Tintenrezepte.

Die Buchmaler: Ein sehr tolles Buch, das zu lesen uns sehr viel Spaß gemacht hat. Unbedingt empfehlenswert.

Mönche / Maler / Miniaturen, Die Welt der mittelalterlichen Bücher
Stephanie Hauschild
Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern
ISBN 3-7995-0148-7


Die Kunst der Künste – Erinnerungen an die Malerei

In ihrem Essay führt uns Anita Albus zurück in eine Zeit, als die Malerei noch als die Kunst der Künste galt. Anhand der Malerei Jan von Eycks zeigt sie, wie es den Malern des 15. und 16. Jahrhunderts gelang, die Betrachter in ihre Bilder hineinzunehmen, ihnen die Welt zu zeigen – und was es damals über sie zu wissen gab. Nie wieder in der Geschichte der Kunst vereinte die Malerei Zeit und Raum, Form und Fülle auf so vollendete Art. Eine große Rolle spielten dabei auch die verwendeten Farben, die in den heutigen synthetischen Farben zwar an Vielfalt unterlegen, aber an Ausdruckskraft weit überlegen sind. Absolute Reinheit beschränkt den Künstler und lässt die Kunst ersterben.
Die Autorin veranschaulicht diese Aussage, indem sie die ungeahnte Vieldeutigkeit und Aussagekraft von alten Landschaftsbildern und Stillleben bewusst macht. In der Darstellung des Raumes und der Zeit näherten sich die Künstler der Natur mittels Farbe so weit wie möglich an, wiesen aber zugleich durch die allegorische Bedeutung des Gemalten weit über sie hinaus. In einer Rückbesinnung auf alte Materialien, der Rückkehr zum Naturnahen könnte auch die heutige Malkunst einen Neubeginn finden.

Die Buchmaler: Ein sehr informatives Buch mit einem tollen Fazit. Streckenweise nicht ganz einfach zu lesen, aber empfehlenswert.

Die Kunst der Künste, Erinnerungen an die Malerei
Anita Albus
Diana Verlag
ISBN 3-453-15036-8


Die Technik der Miniaturmalerei nach einer französischen Quellenschrift des 17. Jahrhunderts

In dieser Diplomarbeit beschäftigt sich die Verfasserin mit einer Handschrift aus dem 17. Jahrhundert (Traite de Mignature de C.B. Paris 1672), in der ein Buchmaler sich an seinen Mitbürgern wendet, die sich zum Zeitvertreib mit der Buchmalerei beschäftigen. Ebenso wie Valentin Boltz erklärt er darin wie verschiedene Farben zu mischen sind, eine Farbe im richtigen Verhältnis mit Temperaturwasser vermischt ist, etc.

Die Buchmaler: Ein sehr interessantes Buch, das sich sehr schön mit dem Büchlein von Boltz ergänzt. Wobei es nicht ganz so viele Informationen beinhaltet wie das Werk von Boltz, dafür aber andere. Empfehlenswert.

Die Technik der Miniaturmalerei nach einer französischen Quellenschrift des 17. Jahrhunderts
Diplomarbeit von Gaby Schmalhofer
Herausgegeben vom Institut für Museumskunde an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.


Goldenes Mittelalter – Geschichte der Buchmalerei

Die Buchmalerei gehört zu den kostbarsten Zeugnissen des Mittelalters. Farbige Miniaturen und goldglänzende Initialen verkörpern den Glanz des Mittelalters und schlagen uns bis heute in ihren Bann. Dieses Buch stellt erstmals die mittelalterliche Buchkunst im Kontext vor. Spannende Einsichten in die mittelalterliche Buchproduktion werden vermittelt und die Arbeitsweisen von Malern und Kalligrafen beschrieben. Aus die Interessen von Auftragsgebern und Sammlern spielen eine wichtige Rolle. In den Verbindungen von Buchgattungen und Miniaturkunst werden die Entwicklung und Funktionen und die Funktionen der Buchmalerei von der Spätantike bis zur Barockzeit geschildert. So bietet Anja Grebe eine fundierte Einführung und einen umfassenden Überblick in die faszinierende Welt der mittelalterlichen Buchmalerei und die historischen und künstlerischen Zusammenhänge, in denen diese Malerei entstanden ist.

Die Buchmaler: Ein sehr schönes Buch, das bei lesen Freude macht. Sehr empfehlenswert.

Goldenes Mittelalter, Geschichte der Buchmalerei
Anja Grebe
Jan Thorbecke Verlag
ISBN 978-3-7995-0184-2


Biblotheca Apostolica Vaticana

Ein Ausstellungskatalog der ein paar ausgesucht schöne Bilder zeigt.

Die Buchmaler: Wie gesagt findet man in dem Katalog einige wirklich schöne Stücke. Aber wirklich empfehlen möchten wir den Kauf nicht. Es sei denn man hat eine ausgeprägte Vorliebe für christliche Motive. Ober man bekommt ihn als Schnäppchen, was bei mir der Fall war.

Ausstellungskatalog
Biblotheca Apostolica Vaticana – Liturgie und Andacht im Mittelalter
Erzbischöfliches Diözesanmuseum Köln
Joachim M. Plotzek
Katharina Winnekes
Stefan Kraus
Belser Verlag Stuttgart
ISBN 3-7630-5784-6


Mit Pinsel und Federkiel

Der herrlich illustrierte Band führt in die faszinierende Welt der mittelalterlichen Buchmalerei ein. In keiner anderen Epoche hat die Einheit aus Bild und Schrift eine so große Rolle gespielt wie im europäischen Mittelalter – umgekehrt spiegelt sich das Mittelalter in kaum einer Kunstgattung so deutlich wie in der Buchmalerei.
Nach einer kurzen Darstellung der kulturellen und technischen Voraussetzungen bieten die Autoren ein Geschichte der Buchmalerei im Mittelalter. Sie stellen herausragende Beispiele der Buchillustration vor, beschreiben die wichtigsten Buchtypen wie Bibel und Stundenbuch und erklären die Herstellung der Handschriften.

Die Buchmaler: Ein schönes Buch das sich gut lesen lässt. Sich aber von anderen Werken die sich mit der Buchmalerei im allgemeinen beschäftigen, nicht abhebt.

Mit Pinsel und Federkiel – Geschichte der mittelalterlichen Buchmalerei
Margit Krenn, Christoph Winterer
Primus Verlag
ISBN 978-3-89678-648-7

Die Schreibmeisterbücher der mittelalterlichen Kalligrafiemeister

Als Schreibmeister bezeichnete man seit Ende des Spätmittelalters, Anfang der Renaissance, Schreiblehrer. Diese unterrichteten in den großen Handelsstädten, vor allem in Nürnberg, in privaten und städtischen Schulen.

In heutiger Zeit würde man die Schreibmeister eher als Kalligrafiemeister bezeichnen. Da es weniger ihre Aufgabe war Rechtschreibung zu unterrichten. Als vielmehr die Kunst des schönen Schreibens.

Einige der Schreibmeister vermittelten ihre Kunst auch indem sie Lehrbücher verfassten.

Im folgenden finden sich Links zu ein paar online verfügbaren Scans der Werke, die sich auch als PDF herunterladen lassen. von vier Schreibmeisterbüchern. Wobei vor allem das von Wofgang Fugger sehr empfehlenswert ist.

Ein nutzlich vnd wolgegrundt Formular Manncherley schöner schriefften Als Teutscher Lateinischer Griechischer vnnd Hebrayscher Buchstaben sampt vnterrichtung wie ein yede gebraucht vnd gelernt soll werden. Fugger, Wolfgang – Nürmberg, 1553. MDZ Münchner Digitalisierungszentrum – BSB München.

Werke der Schönschreibmeister. Brechtel. Franz Joachim – Nürnberg 1573. Staatsbibliothek Bamberg JH.Msc.Art.88.

Kurtze fürweisung Kunstlichs vnd zierlichs schreibens, daraus ein jeder mit stetter vbung recht artlich schreiben lernen mag. Schmid, Johann Baptist – Nürnberg 1624. Staatsbibliothek Bamberg JH.Msc.Art.90.

Kalligraphische Schriftvorlagen von Johann Hering zu Kulmbach. Hering, Johann – Kulmbach 1626–1634. Staatsbibliothek Bamberg JH.Msc.Art.65.

Kurtzer Unterricht mancherley zierlicher schrifften die dann ein ieder durch stethe übung hieraus mit sonnderm vorteil lernen mag. Nürnberg, ca. 1642 – Curtius, Sebastian. Staatsbibliothek Bamberg JH.Msc.Art.89.

 

Die sechs Temperaturwasser des Valentin Boltz von Ruffach

Boltz von Ruffach hat uns in seinem kleinen Illuminierbüchlein sechs Rezepte für Temperaturwasser hinterlassen. In den im Buch enthaltenen Farbrezepten, verweist er dann darauf, welches jeweilige Temperaturwasser für welche Farbe zu verwenden ist.

Was zum einen mit Unverträglichkeiten von einigen Stoffen untereinander zu tun hat und zum anderen mit den Eigenschaften der einzelnen Gummiarten.

So vertragen z.B. Mennige, Bleigelb, Parisrot, Reagal, Auripigment, Lack, Ocker oder Berggrün kein Gummi Arabicum. Auch bei der Verwendung von auf Brasilholz basierenden Farben, die mit Lauge zubereitet wurden, rät Boltz von der Verwendung von Gummi Arabicum ab.

Irritierenderweise empfiehlt Boltz bei einigen Brasilholzfarben die mit Lauge zubereitet wurden, diese mit Gummi arabicum anzureiben.

Einige Erfahrung müssen wir wahrscheinlich selbst machen. Hier die sechs Temperaturwasserrezepte.

Die erste gattung

Gummi arabicum, Gummi Tragant – Temperaturwasser

Das erst vnd best Temperaturwasser mach also Nim ein lot Gummi arabici, vnn einer halben boum nussen gross Gummi traganti, thu es in ein suber geschirr oder nüwes häfelin, güss luter brunnwasser darüber, zweyer zwerch Finger hoch. lass es also zugedeckt stan iiij tag lang, dz es wol erweiche.

Darnach nim ein subers höltzlin vnd rür es wol durcheinander, setz es zu einem kleinen glütlin, lass es erhitzigen, aber nit sieden. Rür es on vnderlass, das die klotzen wol zergandt, thu es vom für, lass es erkalten.

Nim vnd strichs durch ein suber lynin tuch, schütt dan wider luter wasser daran, dass es dün werd als boumöl. Güss es in ein subers glass, das vermach oben wol zu vor stoub. Nim vnd mach ein holtz brächin wie man den win bricht, vnd brichs darmit alle tag im glass so offt du magst, darmit die matery wol durcheinander veriäss, dann vrsach d’Gummi traganti schwimpt gar gern empor eh dann er recht verfulet oder veraltet, dan je elter er in diser temperatur ist, je besser er würd.

Wan du dan merckst, das die temperatur noch starck vnn kleberig ist, so thu alwegen mehr luter wasser daran.

Wann es dann gar eraltet, so würt es luter, vnd sitzt der Tragant zeboden. Mit disem wasser hab ich mine farben gar liecht vnd schön behalten. Dan die Gummi Arabici macht für sich selbst allein, die farben tunckel vnd trüb.

Darmit temperier deine farben, vnd so sy dir etwan intrücken, so mach sy wider an mit eim lutern wasser, sy werden sunst vom Tragant zu feist. Ob du aber vermercktest das die farb mitler zyt nit wol hafften wolt, als dann so güss wider die temperatur daran, so behaltestu schön farben.

Das erste und beste Temperaturwasser, mache wie folgt. Nimm 16.6 Gramm Gummi arabicum und so viel Gummi Traganth, das es der Größe einer halben Walnuss entspricht (ca. 6 Gramm). Tu das Gummi in einen sauberen Topf und gieße zwei Finger breit sauberes Brunnenwasser darüber. Lege einen Deckel auf den Topf und lasse es vier Tage lang stehen, damit der Gummi sich gut an löst.
Nach den vier Tagen stelle den Topf auf den Herd und erhitze das Gemisch bei kleiner Flamme. Aber lass es nicht kochen. Rühre es dabei ständig mit einem Holzlöffel um, bis sich alle Gummistücken aufgelöst haben. Anschließend nimm es vom Herd und lass es abkühlen.
Wen es erkaltet ist, gieße die Flüssigkeit durch ein sauberes Leinentuch in ein Glas und gib solange Wasser hinzu, bis das Gemisch die Konsistenz von Öl hat. Verschließe das Glas gut, damit kein Staub hinein kommt. Da das Gummi Traganth sich gern am Boden absetzt, rühre die Flüssigkeit zwischendurch immer wieder gut durch. Je älter das Temperaturwasser wird, umso besser wird es. Sollte das Wasser darin mit der Zeit etwas verdunsten und das Temperaturwasser damit zähflüssiger werden, gib einfach etwas Wasser hinzu.

Zutaten: Gummi arabicum 16,6 Gramm, Gummi Traganth ca. 6 Gramm, ca. XX ml Quell-, oder Brunnenwasser.

Ob das Verhältnis von Bindemittel und Wasser das rechte ist, kann ganz einfach getestet werden. Reibe etwas Farbe mit dem Temperaturwasser an, male damit einen Strich auf Deine Hand und lasse es trocken. Kannst Du die Farbe dann mit einem Finger leicht von Deiner Hand wischen, ist zu viel Wasser in dem Gemisch (lasse es einfach offen stehen, vielleicht mit einem dünnen Tüchlein abgedeckt damit kein Staub eindringt, und so etwas Wasser verdampfen). Lässt sich die trockene Farbe nicht einfach von der wischen ist genug Gummi in dem Gemisch. Dann öffne und schließe Deine Hand, reißt die Farbe dabei und blättert ab, ist zu wenig Wasser in dem Gemisch. Gib etwas Wasser hinzu.

Das Ander

Pergmentleim – Temperaturwasser

Nim perment lym, der wiss vnnd liecht ist, den find man by den Bermenteren. Leg einer halben nussen gross ongeforlich in luter brunnen wasser,  thu daran iiiJ tropffen gelutert honig, lass es also stan vnd weichen ein tag vnd ein nacht.

Darnach thu es in ein suberss kleins häflein, setz es zum für, lass es sittiglich erhitzigen, aber nit sieden, güss zimlich wasser daran, dann der perment lym ist gar schützig, rür es wol vund vil durcheinander mit einem stäcklin, des es wol zergang, setz es vom für,  lass es erkalten, sych es durch ein tuch, in ein subers glass, thu ein wenig rosswasser daran, vnn wen du es bruchen wilt, vnd gestanden ist, so heb dz glass in ein warm wasser, solang bis die Temperatur zergadt, dann so bruchs zu disen nachverzeichneten farben, die mögen den Gummi arabicum nit wol dulden, dann sy bäyen sich darab vnd gond nit von stat, nemlich: Minnen, Plygeel, Parissrodt, Ruschgäl, Auripigment, Lac, Oger, Berg grien

Nimm ein Stück hellen Pergamentleim von der ungefähren Größe einer halben Walnuss, leg es in reines Quellwassern und tu vier Tropfen reinen Honig hinzu. Lass das ganze 24 Stunden lang weichen.
Danach gieße die Mischung in einen sauberen Topf, setze sie auf den Herd und erhitze sie unter permanentem Rühren. Lass das Gemisch ordentlich heiß werden, aber nicht kochen.
[Da der Pergamentleim viel Wasser zieht, gieße immer wieder Wasser nach.]
Wenn sich der Pergamentleim im Wasser völlig aufgelöst hat, nimm ihn vom Herd und gieße die Flüssigkeit durch ein Tuch in ein sauberes Glas. Füge ein wenig Rosenwasser hinzu und lass das Gemisch erkalten.
Willst Du die Temperatur nutzen willst, setze das Glas mit der Pergamentleimtemperatur in ein Wasserbad und erhitze sie bis die Temperatur sich verflüssigt. Benutze dieses Temperaturwasser wenn Du Mennige, Bleigelb, Parisrot, Reagal, Auripigment, Lack, Ocker oder Berggrün verarbeitest. Da diese Farben kein Gummi arabicum vertragen.

Zutaten: Ein Stück Pergamentleim von der Größe einer halben Walnuss, vier Tropfen Honig, etwas Rosenwasser und sauberes Quell-, oder Brunnenwasser.

Die Dritte

Gummi arabicum, Kirschgummi – Temperaturwasser

Nim Gummi arabicum der schön und luter ist ij. theyl, vnd Gummi cerasarum, das ist kriessböumen hartz, den dritten theyl, güss suber brunwasser daruber zweyer zwerch finger hoch, lass es tag vnnd nacht stan.

Darnach setz es zu einem glütlin, lass es sittiglichen erwarmen, aber nit sieden.

Rür es stätigs vmm einander mit einem stecklin. Wann es wol heiss ist, so hebs hindan, vnd güss einer bonen gross gelütert honig daran, vnn wenig rosswasser.

Wan es dan lauw ist worden, so syhe es durch ein rein lynin thuch, nit zu dick noch gar zu dünn, nach dem ougen mess, thu es in ein gütterlin vnd bruchs.

Nimm 20 Gramm Gummi arabicum der sauber und hell ist und 10 Gramm Kirschgummi. Tu beide in einen Topf und gieße soviel sauberes Quell-, oder Brunnenwasser dazu, das es zwei Fingerbreiten hoch im Topf steht.
Lasse das Gemisch 24 Stunden lang stehen. Danach setze es auf den Herd und erhitze es, lass es aber nicht kochen. Rühre es dabei ständig mit einem Holzlöffel um. Wenn es schön heiß ist, nimm es vom Herd und füge eine Walnuss-große Menge Honig und etwas Rosenwasser hinzu. Wenn es soweit abgekühlt ist das es nur noch lauwarm ist, gib Wasser hinzu bis die Flüssigkeit die Konsistenz von Öl hat. Anschließend gieße das Temperaturwasser durch ein Leinentuch in ein sauberes Glas und verschließe es gut.

Zutaten: 20 Gramm Gummi arabicum, 10 Gramm Kirschgummi, Quell-, oder Brunnenwasser, eine Walnuss-große Menge Honig und etwas Rosenwasser.

Die vierdte

Gummi Arabicum, Mandelgummi – Temperaturwasser

Nim Gummi arabicum j. lot, vnd ij. quintli Gummi amigdalarum, das ist mandelböumen hartz, güss darüber luter brun wasser, lass es stan iiij. tag.

Darnach werme es sitlich by einer glüt das es nit siede. Rühre es stätigs mit einem suberen stecklin. Syh es durch ein thuch in ein glass, güss ein nuss schal vol Rosswasser darin, vnn vermachs wol, vnn bruch also darvon.

Nimm 16.6 Gramm Gummi arabicum und 7,4 Gramm Mandelgummi. Gieße darüber sauberes Quell-, oder Brunnenwasser und lasse das Gemisch vier Tage lang stehen.
Anschließend erwärme die Mischung auf dem Herd, lasse sie aber nicht kochen. Rühre die Flüssigkeit während dessen ohne Unterlass mit einem Holzlöffel um. Ist die Flüssigkeit gut warm, nimm sie vom Herd und gieße sie durch ein Tuch in ein Glas. Gib eine der Größe einer Walnussschale entsprechende Menge Rosenwasser hinzu und verschließe das Gefäß gut. Benutze das Temperaturwasser wenn Du es brauchst.

Zutaten: 16,6 Gramm Gummi arabicum, 7,4 Gramm Mandelgummi, eine Wallnuss-große Menge  Rosenwasser, sauberes Quell-, oder Brunnenwasser.

Die fünffte gattung – Genent Albumen

Eiklar, Gummi Arabicum – Temperaturwasser

Nim dass wiss von zweyen eyeren, vnd thü den vogel daruss, vnd nim ein lange ganss feder, spaltt den kengel in viere, das es werd wie ein winbräche.

Güss das eyer glar in ein becher, vnd brichs mit der Feder brechy, biss dz es gar ytel schum wird, vnd kein füchty mehr am Boden syg, lass es dan also stan tag vnd nacht.

Darnach nim diss wasser von schum, vnd güss es vber lutern reine Gummi arabici ein halb lot. Thu darzu einer bonen gross geluterten honig.

Güss ein löffel vol Rosswassers daran, oder wiss gilgen wasser. Das behaltet das wasser vor gstanck. Behalt diss wasser in einem suberen glass wol vermacht, dz kein stoub darin kumm.

Rür es aber mit einem stecklin vorhin ehe du es ins glass thust, dz die clotzen wol zergangen.

Nimm zwei Eier, entferne das Eigelb und tue das Eiklar in einen Becher. Quirle das Eiweiß solange, bis es nur noch aus Schaum besteht. Lasse den Schaum über Nacht stehen. Am nächsten Tag hat sich unter dem Schaum Flüssigkeit abgesetzt. Gieße diese Flüssigkeit über 8,3 Gramm Gummi arabicum und füge dem eine halbe Walnuss große Menge geläuterten Honig hinzu. Verrühre das ganze bis sich das Gummi arabicum aufgelöst hat. Füge einen Löffel Rosenwasser, oder weißes Schwertlilienwasser hinzu, das bewahrt das Gemisch vor Gestank.
Fülle die Mischung in ein Glas und verschließe es gut.

Zutaten: Zwei Eier, 8,3 Gramm Gummi arabicum, eine Walnuss große Menge Honig, etwas Rosen-, oder weißes Schwertlilienwasser.

Die sechsste gattung

Gummi Arabicum, Kirschgummi, Bitumen, Myrrah – Temperaturwasser

Temperatur wasser zu allen farben, das sy schön vnd stät bliben

Nim ij. lot Gummi arabicum, ij. lot Gummi cerasarum vnd j. quintlin bitumen, vnn j. quintlin wisse Myrrha die luter syg. Dise vier stuck zerstoss, vnd güss darüber ein fiertel einer mass wassers.

Lass es also weichen, biss es wol zergadt, rürss alle mal wol durcheinandern, thü darunder zwo eyer schalen voll wissen essichs.

Setz es zu einer kol, lass es sitlich erwallen. Hebbs ab vnd lass es erkalten, syhe es durch ein tuch in ein glass. Temperier darmit wass du wilt.

Nimm 33,2 Gramm Gummi arabicum, 33,2 Gramm Kirschgummi, 3,7 Gramm Bitumen und 3,7 Gramm helles Gummi Myrrah. Zerstoße all das in einem Mörser, fülle es in einen Topf und gieße 375 ml sauberes Quell-, oder Brunnenwasser darüber.
Lass es solange stehen, bis alles Gummi darin zergangen ist und rühre die Mischung bis dahin zwischendurch immer wieder um. Ist das Gummi zergangen. füge die Menge von zwei Wallnussschalen voll Essig hinzu, stelle die Flüssigkeit auf den Herd und bringe sie unter ständigem Rühren zum köcheln. Anschließend nimm sie vom Herd und lasse sie abkühlen. Abschließend wird die Flüssigkeit durch ein Tuch in ein Glas gegossen.

Zutaten: 33,2 Gramm Gummi arabicum, 33,2 Gramm Kirschgummi, 3,7 Gramm Erdpech, 3,7 Gramm helles Gummi Myrrah, 375 ml sauberes Quell-, oder Brunnenwasser, zwei Wallnussschalen Essig.

Temperaturwasser

Als Temperaturwasser wird eine Art von Bindemitteln bezeichnet, das in der Buchmalerei neben Eiklar am häufigsten verwendet wird. Es hat die Aufgabe dafür zu sorgen, das die Pigmente und Farbstoffe beim malen am Maluntergrund haften bleiben. Wobei der Begriff Temperaturwasser noch nichts genaues über dessen Bestandteile aussagt. Außer das ein Teil von ihm aus Wasser besteht.  Über das enthaltene Baumharz, bzw. den verwendeten Leim, sagt der Begriff jedoch noch nichts aus.
Der Name Temperaturwasser kommt vom lateinischen temperare‎ „in das richtige Maß, den richtigen Zustand bringen“, bedeutet.
Im allgemeinen bestehen Temperaturwasser aus Wasser dem ein „Klebemittel“ wie Baumharz hinzugefügt wird. Das einfachste Temperaturwasser besteht aus Wasser und Gummi Arabicum, das in einem Verhältnis miteinander gemischt wird, das es die Konsistenz von Öl hat.
Oft werden diesem einfachen Temperaturwasser noch andere Stoffe hinzugefügt. Wie andere Baumharze oder Honig, die der Farbe mehr Flexibilität verleihen sollen, oder Essig der Schimmelbildung hemmt.

Es gibt jedoch noch weitere Arten von Bindemittel. Was abgesehen von den Vorlieben des Malers, auch mit der Verträglichkeit von Stoffen untereinander zu tun hat. So vertragen einige Farben, wie z.B. Mennige, Bleigelb, Parisrot, Ruschgelb, Berggrün, Lack, Auripigment und Ocker, kein Gummi Arabicum.
In diesen Fällen muss das Gummi Arabicum durch einen anderen „Klebstoff“ ersetzt werden.
Bei Boltz von Ruffach finden sich Rezepte für sechs verschiedene Temperaturwasser. Mögliche Zusätze sind Gummi Arabicum, Kirschgummi, Gummi Tragant, Pergament Leim, Mandelbaumgummi und Hausenleim.