Berühmte Kalligrafen – Thomas Schweicker

 

Thomas Schweicker wurde als Sohn des Bäckers und Ratsherren Hans Schweicker und dessen Ehefrau Dorothee  1541 in Schwäbisch Hall geboren. Er war ein Kalligraf und Maler, der es im 16. Jahrhundert zu einiger Berühmtheit brachte.Der Grund für seine Berühmtheit, war der Umstand das er durch einen Geburtsfehler keine Arme hatte. Trotz seiner Behinderung war er in der Lage seinen Lebensunterhalt selbst zu bestreiten. Da er keine Arme hatte, lernte er anstatt seine Hände, seine Füße zu benutzen. So lernte er auch mit seinen Füßen zu schreiben, Wodurch er in der Lage war Kalligrafin anzufertigen, die aufgrund ihrer Schönheit sehr begehrt waren.
Sogar Kaiser Maximilian II ließ sich 1570 bei einem Besuch Schwäbisch Halls, von Thomas Schweicker seine Künste vorführen. Von denen er so begeister war, das er Thomas Schweicker 1584 nach Heidelberg holen ließ. Dort blieb er bis 1598. Am 7. Oktober 1602 starb er im Alter von 61 Jahren in Schwäbisch Hall und wurde im Chor der Michaelskirche bestattet.

Das Härten von Federkielen

Will man ein schönes Schriftbild erzielen muss man einen guten Kiel haben. Als Federkiel eigenen sich jedoch nicht die Federn aller Vögel. Sondern vor allem die von Gänsen, Truthähnen und Raben.
Von diesen wiederum taugen nur die äußeren vier Federn der Flügel dafür, aus ihnen Schreibkiele zu fertigen. Da nur sie über die dazu nötige Härte verfügen.
Die Härte dieser Federn entwickelt sich vor allem durch die Belastung des Fliegens. Weshalb man geeignete Federn vor allem bei Wildgänse findet. Da sie die Federn im Frühling von selbst verlieren, kann man diese einfach aufsammeln. Vorausgesetzt man kennt einen Ort an dem sich Wildgänse aufhalten und kann diesen auch erreichen.
Kielfedern die sich ohne weitere Vorbehandlung zur Fertigung eines Federkiels eignen, bezeichnet man als Kielfedern von A Qualität. Erkennbar sind diese an der Farbe der Federspitze. Sie ist etwa zwei Daumen breit, ähnlich einem Fingernagel milchig durchscheinend.
Ist die Federspitze fast ebenso weiß wie der übrige Teil der Feder, spricht man von Federn von B Qualität. Diese müssen gehärtet werden, bevor aus ihnen ein Schreibkiel gefertigt werden kann.
Ist keine Eile geboten können die Federkiele gehärtet werden indem man sie lagert. Was jedoch ein paar Jahre Zeit in Anspruch nimmt. Möchte man schneller an den begehrten Federkiel gelangen, kann die Federkielspitze durch Hitze gehärtet werden.

Dazu werden folgende Materialien benötigt: Etwas Quarzsand, ein kleiner alter Topf oder eine hohe Pfanne, ein sehr scharfes Messer, Wasser, ein Wasserglas und natürlich Kielfedern von geeigneten Vögeln in B Qualität.

Zuerst wird die Spitze der Kielfeder schräg abgeschnitten (nicht zu viel, nur soviel das Wasser eindringen kann) und das Mark mit einem Holzstäbchen weit in die Kielfeder hinein geschoben.
Ist das getan, wird die Kielfeder in ein Wasserglas gestellt um so lange zu weichen, bis ihre Spitze gleichmäßig weiß ist. Was evtl. ein paar Tage dauern kann.
Hat die Kielfederspitze die gewünschte Farbe angenommen, muss sie zum Härten in ein heißes Medium gesteckt werden. Dazu eignet sich am besten Quarzsand.
Um den Quarzsand zu erhitzen, wird er etwa 10 cm hoch in einen kleinen Topf gefüllt und auf den Herd gestellt.
Hat der Quarzsand eine Temperatur von 100° Grad erreicht (Die Temperatur kann mit einem Bratenthermometer geprüft werden), wird der Topf von Herdplatte genommen und auf eine Feuerfeste Unterlage gestellt.
Nun wird die Kielfeder in den heißen Sand gesteckt und so lange darin belassen, bis ihre Spitze durchscheinend wie ein Fingernagel ist. Es muss jedoch Acht gegeben werden das sie nicht verbrennt. Deshalb sollte sie immer wider aus dem Sand gezogen werden, um das Ergebnis zu überprüfen.
Hat sie die gewünschte Farbe und damit die benötigte Härte erreicht, kann sie aus dem Sand genommen werden.
Abschließend muss noch mit einem scharfen Messer rundherum die Haut von der Federkielspitze abgeschabt, und die daraus resultierenden Fasern mit einem Wolllappen abgewischt werden.
Fertig. Nun kann der Kiel zugeschnitten werden.

Die Schreibmeisterbücher der mittelalterlichen Kalligrafiemeister

Als Schreibmeister bezeichnete man seit Ende des Spätmittelalters, Anfang der Renaissance, Schreiblehrer. Diese unterrichteten in den großen Handelsstädten, vor allem in Nürnberg, in privaten und städtischen Schulen.

In heutiger Zeit würde man die Schreibmeister eher als Kalligrafiemeister bezeichnen. Da es weniger ihre Aufgabe war Rechtschreibung zu unterrichten. Als vielmehr die Kunst des schönen Schreibens.

Einige der Schreibmeister vermittelten ihre Kunst auch indem sie Lehrbücher verfassten.

Im folgenden finden sich Links zu ein paar online verfügbaren Scans der Werke, die sich auch als PDF herunterladen lassen. von vier Schreibmeisterbüchern. Wobei vor allem das von Wofgang Fugger sehr empfehlenswert ist.

Ein nutzlich vnd wolgegrundt Formular Manncherley schöner schriefften Als Teutscher Lateinischer Griechischer vnnd Hebrayscher Buchstaben sampt vnterrichtung wie ein yede gebraucht vnd gelernt soll werden. Fugger, Wolfgang – Nürmberg, 1553. MDZ Münchner Digitalisierungszentrum – BSB München.

Werke der Schönschreibmeister. Brechtel. Franz Joachim – Nürnberg 1573. Staatsbibliothek Bamberg JH.Msc.Art.88.

Kurtze fürweisung Kunstlichs vnd zierlichs schreibens, daraus ein jeder mit stetter vbung recht artlich schreiben lernen mag. Schmid, Johann Baptist – Nürnberg 1624. Staatsbibliothek Bamberg JH.Msc.Art.90.

Kalligraphische Schriftvorlagen von Johann Hering zu Kulmbach. Hering, Johann – Kulmbach 1626–1634. Staatsbibliothek Bamberg JH.Msc.Art.65.

Kurtzer Unterricht mancherley zierlicher schrifften die dann ein ieder durch stethe übung hieraus mit sonnderm vorteil lernen mag. Nürnberg, ca. 1642 – Curtius, Sebastian. Staatsbibliothek Bamberg JH.Msc.Art.89.