Eisengallustinte

Eisengallus-, Rotdorn- und anderen Tinten
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Frank
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Eisengallustinte

Beitrag von Frank » 03 Mai 2018, 17:41

Diese Eisengallustinte werde ich mal ausprobieren müssen. Kann mir jemand ein bewährtes Rezept empfehlen?

Kennt jemand einen Anbieter von füntzackigen Notenlinienfedern (nicht von der Firma Brause)?

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Clemens
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Re: Eisengallustinte

Beitrag von Clemens » 03 Mai 2018, 17:41

120g Galläpfel
70g Eisenvitrol
6g Arabisches Gummi
3000g Quellwasser

Die Galläpfel in einem Mörser fein zerstoßen, anschließend die Galläfel zusammen mit dem Quellwasser kochen bis nur noch 1500g Flüssigkeit übrig bleiben. Vom Herd nehmen und kalt werden lassen. Wenn die Flüssigkeit erkaltet ist das Eisenvitrol unterrühren, bis die Flüssigkeit tief schwarz wird. Das Arabische Gummi zerstoßen und unterrühren. Die ganze Flüssigkeit zweimal durch ein Tuch gießen, fertig.

Das Rezept stammt aus dem Büchlein Kleines Rezeptbuch für historische Tinten.
In omnibus requiem quaesivi, et nusquam inveni nisi in angulo cum libro [Thomas von Kempen]

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Frank
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Re: Eisengallustinte

Beitrag von Frank » 03 Mai 2018, 17:42

Danke!

Das ist aber ein ganz ordentlicher Haufen Wasser für das bißl Zeug. Sicher?

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Joachim
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Re: Eisengallustinte

Beitrag von Joachim » 03 Mai 2018, 17:42

Naja, das ist das Rezept für 1,5 l Tinte. :D Einfach herunter rechnen.

Notenlinien? Da ich die nicht benötigte, habe ich nie danach geschaut und kenne die nur von solchen Schmuck-Sets. Ich halte mal die Augen offen.

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Clemens
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Re: Eisengallustinte

Beitrag von Clemens » 03 Mai 2018, 17:42

Ich habe auch mal auf englischsprachigen Seiten gesucht. Wenn die Feder auftaucht, dann die von Brause.
In omnibus requiem quaesivi, et nusquam inveni nisi in angulo cum libro [Thomas von Kempen]

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Frank
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Re: Eisengallustinte

Beitrag von Frank » 03 Mai 2018, 17:42

Das Verhältnis bleibt ja auch beim Runterrechnen das gleiche. :) Na gut, wenn´s denn so sein soll ...
Ich habe gelesen, daß es üblich sei, eine später verblassende Farbe noch mit beizumengen, weil sonst die Tinte beim Schreiben nicht sichtbar genug sei. Handhabt Ihr das ähnlich?

Die Brausefedern machen halt keine gleichen Linien, da die äußeren Zinken etwas fetter sind. :(

Bzgl. Gummi Arabicum:
Ob das wohl verwendbar sein mag? Hat eine kryptische Bezeichnung, scheint aber wohl rein zu sein:
https://www.ebay.de/itm/361191213930

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Re: Eisengallustinte

Beitrag von Clemens » 03 Mai 2018, 17:43

Vom Beimengen einer verblassenden Farbe habe ich noch nie etwas gehört. Ich finde aber auch nicht das der geschriebene Text nicht Sichtbar genug ist.
Das Zeug von eBay würde ich nicht kaufen. Gummi Arabicum ist eigentlich ein Klebstoff der z.B. für Briefmarken verwendet wird. Aber als Lebensmittelzusatz ....
Nimm lieber das hier: http://www.kremer-pigmente.com/de/gummi ... 63300.html
Wenn Dir die Mengen beim Selbermachen Zuviel sind, Kauf doch erst mal ein kleines Fässchen.
http://www.kalligraphie.ch/store/produc ... -30ml.html
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Re: Eisengallustinte

Beitrag von Frank » 03 Mai 2018, 17:43

Das mit der verblassenden Farbe hab ich hier gelesen:
https://www.ebay.de/itm/Rohrer-Klingner ... 0005.m1851
("... Damit die Tinte beim Schreiben besser sichtbar ist, wird noch ein Farbstoff wie Methylblau hinzugegeben, der später verblasst. ...")

Und hier habe ich ein in den Verhältnissen ziemlich abweichendes Rezept für die Tinte gesehen:
https://www.ebay.de/itm/132302700984

Wie sieht´s denn mit Alaun, Essig und Salz aus? Das ist wohl eher überflüssig?
(http://www.kalligraphie.com/431-0-Eisengallustinte.html)

Muß die Tinte vor Licht geschützt (z.B. Braunglasfläschlein) aufbewahrt werden und gibt es ein Verfallsdatum (wäre ja wichtig zu wissen, wenn man denn größere Mengen anrührt)?

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Re: Eisengallustinte

Beitrag von Joachim » 03 Mai 2018, 17:43

Das man die Tinte beim Schreiben nicht genug sähe, habe ich auch noch nicht festgestellt. Sie ist ein bisschen gräulich/wässrig beim Schreiben aber nicht farblos. Ein Beimischen einer anderen Farbe halte ich für überflüssig.

Ja, es gibt verschiedene Rezepte - auch mit unterschiedlichen Mengenangaben. Da müsstest Du probieren, was Dir besser gefällt. Mit dem - ich sage mal - Grundrezept, bin ich jedenfalls so zufrieden, dass ich da eigentlich nichts anderes ausprobieren muss. Und der Vorteil ist, dass man sie gleich verwenden kann.
Tinte mit Alaun muss länger stehen, bis sie verwendet werden kann (drei Monate), wenn ich das richtig im Kopf habe. Sie soll dafür aber auch brillanter im Ergebnis sein und einen leichten Glanz haben. Ich habe zwar die Zutaten hier, habe es aber noch nicht getestet. Zum Üben genügt mir die "Alltagstinte" auf jeden Fall.

Die Eisengallustinte reagiert mit Sauerstoff. Daher ist es gut, die Gefäße möglichst voll zu machen zur Aufbewahrung. Braunglas muss da meines Wissens nicht extra sein. Bei mir steht die Tinte eh im Schrank.

Ich nehme an, dass durch die Galläpfel Nährstoffe (Zellreste) in der Tinte sind, die beim längeren Stehen zur Schimmelbildung an der Oberfläche führen kann. Habe da aber noch keinen Qualitätsverlust festgestellt. Einfach den Schimmel entfernen und weiterschreiben. ;)
Könnte sein, dass das Salz dafür gedacht ist, die Schimmelbildung zu verhindern. Weiß aber nicht, wie sich das sonst noch auf die Tinte auswirkt.

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Re: Eisengallustinte

Beitrag von Clemens » 03 Mai 2018, 17:43

Es gibt unheimlich viele Rezepte. Wahrscheinlich gibt es so viele Varianten von Eisengallustinte wie von Gulasch. Wobei ein jeder auf sein Rezept schwört. Hier findest Du eine Sammlung von Rezepten aus dem Mittelalter http://www.schiffsmond.net/wikinger/NIM ... mplett.pdf, da kannst Du sehen wie viel unterschiedliche Rezepte es für ein und dieselbe Sache gibt.
Wozu Salz hinzugefügt wird weiß ich auch nicht. Aber die Zugabe von Essig sollte die Schimmelbildung verhindern.
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