Lederflaschen

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Frank
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Lederflaschen

Beitrag von Frank »

Du schreibst echt gut, das sieht klasse aus.
Danke Dir! Da geht sicher noch mehr mit einer optimalen Feder. Ich würde gerne noch etwas exakter/gleichmäßiger schreiben.
Kennst Du die Schreibmeisterbücher?
Nein, sieht interessant aus. Abermals Dank! Kann man das nicht runterladen?
Eiseneichentinte (hast Du sie schon angesetzt?).
Nein, das dauert noch ein bißl. Zu viele Interessen, und ich bin schon wieder vom Weg abgekommen (siehe Anhang). Und das Jahr ist gleich schon wieder vorbei, dabei hatte ich sooo viel vor. :O
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Clemens
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Re: Eisengalustinte ansetzen

Beitrag von Clemens »

Ha, ha, St das geil. Ähnliche Flaschen habe ich ein paar Jahre lang auf Wikingerlagern verkauft, als ich noch Wikingerreenactment gemacht habe. das Problem mit den vielen Interessen ist mir durchaus vertraut. Schick.
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Frank
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Re: Eisengalustinte ansetzen

Beitrag von Frank »

Ist ja interessant. Vor 20 Jahren hab ich mich auch auf Mittelaltermärkten rumgedrückt - als Händler/Handwerker. Wikingerreenactment fetzt. Warum hast Du das beendet?

Vielleicht kannst Du mir ja sogar Hinweise zu eventuellen Tücken bei der Flaschenherstellung geben.
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Clemens
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Re: Eisengalustinte ansetzen

Beitrag von Clemens »

Da muss ich ein wenig ausholen. Mich haben schon als Kind Kampfkunst und Mittelalter begeistert. Mit ungefähr 18 habe ich mit Karate angefangen. Das war das was als Kampfkunst, neben ein paar anderen asiatischen Stilen, zu meiner Zeit im allgemeinen zu haben war. Mittelalter gab es nur in Form von Filmen.
Als ich so gegen 30 war, wurde ich um drei Ecken zu einem Seminar eingeladen, auf dem der Umgang mit Schwert und Schild gelehrt wurde, um sich damit in Schlachten zu stürzen. Als wir dann zum Ende des Seminars ein paar Linienkämpfe gemacht hatte, war es um mich geschehen, das musste ich unbedingt machen.
Auf dem Seminar hatte ich auch gleich jemanden kennen gelernt, der mich kurz darauf zum meinem ersten Wikingerlager mitnahm. Das war für mich erst mal der Hammer. Kampfkunst und Mittelalter. Ich war erst mal glücklich.
Irgendwann war ich mit dem Kampfkunstteil an der Sache nicht mehr ganz so zufrieden. Es lief zwar recht gut und hat auch jede Menge Spaß gemacht, aber irgendetwas fehlte mir dabei. Es war doch mehr ein Spiel, da es ja darauf ausgelegt ist den anderen nicht zu verletzen.(Nicht das Du jetzt denkst das ich wild darauf bin jemanden zu verletzen, bin ich nicht)
Dann mit ungefähr 40 habe ich auf einem Wikingerlager eine Vorführung im historischen Fechten gesehen. Damals Schwert und Buckler. Rate mal ... ja, ich war hin und weg. Das wars. Immer noch Mittelalter, aber diesmal mit echter Kampfkunst aus der Heimat. Man hatte das deutsche Kung Fu ausgegraben.
Anfänglich wollte ich das historische Fechten und das Reenactment nebenher betreiben. Aber dann war das Handschriften durchforsten und Rekonstruieren doch viel Zeit einnehmender als ich gedacht hätte. Und am Ende habe ich dann auch noch einen Verein gegründet, bin dort im Vorstand und dreimal die Woche als Trainer unterwegs. Es blieb einfach keine Zeit mehr für das Reenacmtent. Dabei hätte ich unheimliche Lust mich wieder damit zu beschäftigen, diesmal allerdings mit dem Spätmittelalter.

Zu den Flaschen. Ich schreibe einfach wie ich sie gemacht habe. Wenn Du zu etwas davon Fragen hast, einfach her damit.
Das Leder muss natürlich gegerbtes Leder sein, weil nur dieses sich richtig schön dehnen lässt. Für die Form der Flaschen habe ich mir Pappschablonen angefertigt, mit denen ich dann die Form auf das Leder übertragen und ausgeschnitten habe.
Anschließend habe ich die Nahtlöcher mit einer Bohrmaschine vorgebohrt. Und dann die beiden Hälften aufeinander genäht.
Die zusammengenähten Flaschen habe ich ein paar Stunden in Wasser eingeweicht, bis das Leder schön geschmeidig war. Um die Flaschen anschließend mit Quarzsand zu füllen. Wobei zwischendurch immer wieder ordentlich mit einem Rundholz gestopft wurde, so feste es geht, um so viel Sand in die Flasche zu bekommen wie irgend möglich.
Die fertig gestopften Flaschen habe ich dann ein paar Tage trocknen lassen, bis sie voll durchgetrocknet waren. Zum wachsen habe ich Bienenwachs in einem Bräter erhitzt und gleichzeitig die trocknen Flaschen in den Backofen gelegt. Wobei man Obacht haben muss das sie nicht verbrennen. Wenn sie schön heiß waren, habe ich sie heraus genommen, zweimal mit Bienenwachs ausgegossen und einmal von außen übergossen. Abschließend von außen mit einem Tuch ein wenig polieren, fertig.
Die Flasche auf dem Bild, aufgrund der Tageszeit leider schlechte Qualität, ist die letzte Flasche die ich noch habe.
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Clemens
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Re: Lederflaschen

Beitrag von Clemens »

Hier noch mal bessere Bilder.
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Frank
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Re: Lederflaschen

Beitrag von Frank »

Was für ein Aufsatz! Danke für die Erläuterungen! :)

Mich interessiert am Mittelalter weniger die Kampfkunst als das Kulturelle (Mode, wenn der Begriff dafür überhaupt tauglich ist. Besser ausgedrückt: die Schönheit der alltäglichen Dinge). Daher richte ich mein Augenmerk vor allem auf die Zeit bis zum 13. Jhd.; ab dem 14. Jhd. wird alles ziemlich verspielt und kitschig, möchte ich beinahe sagen. In der Kunst ist das wieder anders - da geht´s ab dem 14. Jhd. eigentlich erst richtig los (z.B. Jan van Eyck und seine Ölmaltechnik) - aber das ist ja wieder eine ganz andere Ebene.


Hübsches Fläschlein!

Im wesentlichen habe ich meine Vorgehensweise ähnlich geplant. An einen Backofen hatte ich dabei nicht gedacht. Wozu ist das, damit das Leder das Wachs gieriger aufsaugt?

Wie ist das mit dem Sand? Bleiben da nicht einige Körner in der Flasche zurück? Ich habe mir überlegt, daß ich zuerst eine Tüte hineinstopfen werde und in diese den Sand. Mal sehen, ob das geht ...

Bei der Überlegung, ob ich die Flasche auch äußerlich mit Wachs behandeln sollte, kam mir die Frage, ob ein Wetter, wie aktuell gerade, das Ding nicht recht klebrig werden lassen könnte - das wäre mir nicht sympathisch. Ich glaube, ich werde sie äußerlich nur mit einer Pflegepaste auf Bienenwachsbasis behandeln.

Mit dem Punzieren werde ich mich noch genauer beschäftigen müssen, das gefällt mir gar sehr.

Meine Vorlagen habe ich übrigens von den Quedlinburger Reliefbändern:
http://www.portalsaeule.de/index.php?ca ... uedlinburg

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Clemens
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Re: Lederflaschen

Beitrag von Clemens »

Danke wegen der Flasche

Jetzt fühle ich mich irgendwie falsch verstanden :) Natürlich ist die Kampfkunst nicht das einzige was mich am Mittelalter fasziniert. Das war nur das womit ich mich auf den Lagern beschäftigt hatte.
Gewerkelt habe ich lieber zu Hause. Einfach schon deshalb weil mir das authentische Werkzeug für Holz und Lederarbeiten gefehlt hat, so das ich es dort nicht machen konnte.

Und in das Spätmittelalter bin ich komplett vernarrt. Ich finde die Gotik ist die anmutigste Zeit die es je gegeben hat. Sein es die Gebäude, die Kleidungsmode, die Möbel, etc.
Auch wenn es nur bedingt mit der Gotik zu tun hat, habe ich einen Faible für historische Stadtkerne. Sowohl für die kleinen zarten der Mark Brandenburg, als auch für die gewaltigen in Süddeutschland.
Was die Malerei betrifft empfinde ich das ein wenig anders als Du. Du hast wohl recht das sich in der Malerei mit van Eyck etwas verändert hat. Die Bilder wurden zu einer perfekten Wiedergabe des gesehenen, oder erdachten.
Aber ich mag auch die älteren Darstellungsformen, in denen die Perspektive sich mehr daran ausrichtet was der Maler in den Vordergrund stellen wollte.

Flaschen.

In den Ofen packen: Du hast recht, das tue ich wegen dem Wachs. Wenn Du die Flaschen vorher nicht heiß machst legt sich der Wachs nur oben auf das Leder drauf. Wenn Du sie heiß machst zieht der Wachs beim ersten Ausgießen tief in das Leder ein. Das imprägniert das Leder und macht es so hart das Du damit einen Nagel einschlagen kannst. Beim zweiten Ausgießen legt sich dann noch eine Schicht oben drauf.
Wegen der Außenbehandlung mit Wachs brauchst Du keinen schmierigen Film befürchten, da das Wachs aufgrund des warmen Leders zum großen Teil einzieht. Das was oben drauf liegen bleibt blättert ehe ab.
Abgesehen davon ist Sonne für die Flaschen, vor allem im ungefüllten Zustand ehe der Tod. Wenn die Flaschen aber gefüllt sind (auch dann sollte man sie nicht in die Sonne hängen) wird die Flasche durch den Inhalt gekühlt.

Sand: Wenn die Flasche gut durch getrocknet ist, bekommst Du den Sand eigentlich ziemlich gut raus. Wenn Du sie dann nachdem sie im Ofen waren noch mal kurz abklopfst und dann noch mal ausschüttelst, sind bestimmt 99% des Sandes wieder draußen.
Sollte wirklich noch was drin sein, wird das durch den Wachs gebunden und bleibt für immer und ewig dort.
Ich könnte mir auch vorstellen das Du die Plastiktüte beim Stopfen ehe zerreißt.
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Frank
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Re: Lederflaschen

Beitrag von Frank »

Ja, ich habe mich recht pauschal ausgedrückt, um nicht alle kulturellen Komponenten einer einzelnen Betrachtung unterziehen zu müssen. :D Was z.B. die Baukunst, die Malerei und die Musik betrifft, sagt mir das Spätmittelalter auch zu.
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Frank
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Re: Lederflaschen

Beitrag von Frank »

Heute hab ich meine Flaschenteile zusammengenäht. Merke: der 1-mm-Faden ist zu fett (ging trotzdem); einer halber mm wäre sicher optimal. Verluste: zwei Nadelöhre und das Wohlbefinden meiner Finger.

Mit dem Einfüllen des Sandes hab ich auch schon begonnen. Ich hatte mir schon gedacht, daß es schwierig wird mit 3,5 mm dickem Leder bei dieser kleinen Größe (20 x 30 cm). Ich laß die Flasche mal über Nacht im Wasser und stopfe morgen nochmal nach. Die Form sieht schon sehr gut aus. Ich will nun noch die größtmögliche Füllmenge rausholen.

Wie hast Du bei Deinen Flaschen den Hals dicht gekriegt? Ich meine die Stellen zwischen Stopfen und Naht. Hast Du da die Lücken mit Wachs gefüllt?
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Clemens
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Re: Lederflaschen

Beitrag von Clemens »

Ich kenne keine dieser Lederflaschen die am Ausguss richtig dicht sind. Bei viel Rumgeschickel spritzt da auch schon mal was raus. Am besten geht es wahrscheinlich wenn Du den Verschluss zuarbeitest und dann in die eingeweichte Lederflaschen steckst. So das der Hals beim Trocknen die Rechte Form annimmt. Wenn dann noch die Wachsschicht dazu kommt, sollte er stramm sitzen.
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